Besuch beim Nachbarn in der Provinz Almeria  Logo der Bodega de Aloboloduy
Wer reist, kann erzählen, das jedenfalls sagt der Volksmund. Bei meinem letzten Besuch in der Kellerei Los Barrancos ging ich auf die Reise in die Nachbarprovinz Almeria, genauer gesagt in das Dorf Alboloduy und habe dort Interessantes gesehen und geschmeckt. Paco Calvache und seine Tochter Christina, die ausgebildete Önologin ist, machen in ihrer kleinen aber feinen Kellerei erstaunlich intensive und fruchtige Weine, die sie im Falle der Roten auch noch ein Jahr ins Barrique legen. Der Cabernet Sauvignon, der Syrah und der Tempranillo werden zu einer saftigen Cuvée zusammengefügt, die beiden erstgenannten zusätzlich noch reinsortig als Vino de la Tierra de Andarax ausgebaut. Für mich hat eine Rarität den Vogel abgeschossen: der weiße, reinsortige „Jaen Blanco“. Diese Rebsorte gibt es in den Küstenregionen der Provinzen Granada und Almeria und wurde dort seit Urzeiten in einer Mischung mit der roten Jaen negro (gelegentlich auch Tintilla genannt) zu einem hellroten, beinahe roséefarbenen „Clarete“ ausgebaut. Der „Vino de la Costa“ aus Granada und den Alpujarras war so ein Wein. Modern gemacht im Stile von Christine Calvache mit strikter Temperaturkontrolle und unter Vermeidung jeder Oxydation, zeigte der „Jaen Blanco“ ein vielschichtiges Bukett, in dem sich Früchte wie Quitten und gelbe Pflaumen sowie Pfirsich und Melonen mit einem zarten Zitruston finden. Erstaunlich war die lebendige, feine Säure sowie die bemerkenswerte Mineralität. Der Rebberg „Montenegro“ auf ca. 800 m ü. M., auf dem die Reben wachsen, ist ein reiner Schieferboden. Schade nur, daß dieser schöne Wein in fürchterlich hässliche, blaue Flaschen abgefüllt wurde, die wie Mineralwasserbehältnisse aussehen!
Alles in allem hat der kleine Ausflug „zur Konkurrenz“ viel Spass gemacht. Zum Essen im benachbarten Restaurant hat Paco dann noch einen Schaumwein, nach Champagner-Methode hergestellt, aus genau diesem Grundwein kredenzt und das Glück war vollständig!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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