Eine ganz große Weiße: die Viognier Traube Einer der großen Weinflüsse Europas ist die Rhône. Bereits in ihrem Ursprungsland, der Schweiz, gedeihen an ihren Ufern im Wallis aussergewöhnliche Tropfen. Ein paar hundert Kilometer weiter flussabwärts befinden sich dann in Frankreich die legendären „Côtes du Rhône“, die „Hänge der Rhône“ und dort ist eines der nördlichesten Gebiete die A.O.C. Condrieu. Hier gibt es eine weiße Rebsorte namens Viognier, die in den vergangenen Jahren die Welt langsam aber stetig erobert hat. Sie lieferte einst sehr duftige Weine mit feinen Aprikosen- und Pfirsichnoten, in denen gelegentlich reizvolle florale Töne klangen. Bis vor kurzem hiess es unter Kennern, dass ein Condrieu jung getrunken werden sollte und sich nicht besonders für den Barriqueausbau eignet.
Diese Vorstellungen verlieren langsam an Gültigkeit, seit man begonnen hat das Lesegut deutlich reifer zu ernten und somit mehr Extraktstoffe und Aromen (und natürlich auch Alkohol) in den Wein zu bekommen. Die Vergärung der Weißweine aus dem reiferen Viognier im Barrique bringt weichen und harmonischen Schmelz in den Wein und kann ihm zu äusserst komplexen Geschmacksnuancen verhelfen. In Spanien hat man bei „Pago de Vallegarcía“, in den Bergen von Toledo, genau das gemacht und einen sensationell runden Weisswein hervorgebracht (Vallegarcía Viognier 2009). Die Fruchtnoten unterstreichen die Reife und der Duft der Kräuter aus den umliegenden Sierras hängt verführerisch im Glas. Am Gaumen wiederholt sich das Aromenspiel und endet in einer ganz zarten, attraktiven Bitternote. Während ich diese Zeilen schreibe steht das dickbauchige Burgunder-Glas neben mir und die strohgelbe Farbe des Viogniers mit den goldenen Reflexen animiert mich zu schreiben: Auf das Wohl der Weingeniesser und Weinphilosophen in aller Welt!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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