Drucken Drucken Artikel weiterempfehlen Artikel weiterempfehlen

Fair Trade – was geht das den Weinfreund an?

Wein wird global produziert und global getrunkent

Wein ist ein globales Geschäft, mit aller damit verbundenen Problematik

Auf Kaffeedosen, Kakaoschachteln oder Fruchtsafttüten hat man sie schon gesehen: die Siegel von sog. „Fair Trade“-Organisationen. Sie wollen bezeugen, dass das Produkt in der jeweiligen Verpackung aus einem „kontrollierten“ Handel stammt, bei dem den Herstellern ein bestimmter, gerechtfertigter „Mindestpreis“  bezahlt wurde (engl.: fair trade = gerechter Handel). Das besagte Siegel bedeutet eine freiwillige wirtschaftsethische Verpflichtung der Käufer und Händler innerhalb der aber auch Umweltstandards und bestimmte gesellschaftspolitische Bedingungen im Herstellerland eingefordert und ggf. gefördert werden. Entsprechend sind Nahrungs- und Genussmittel mit dem Fair-Trade Siegel vielfach auch Produkte aus ökologischer Landwirtschaft.

Wir in den wohlhabenden Ländern sind es gewohnt bei Einkäufen jeder Art eine große Markenvielfalt vorzufinden, aber die Kaufentscheidung wird letztlich doch praktisch immer vom Preis abhängig gemacht. Dies führt unweigerlich dazu, dass Produzenten ihre Waren in den Ländern herzustellen versuchen, wo die Löhne gering sind. Allzu häufig bedeuten niedrige Löhne leider Hungerlöhne, die die Bildungsmöglichkeiten der Arbeiter einschränken und zu sozialem Elend und vielfach auch zu medizinischer Unterversorgung führen. Den Fair Trade-Organisationen, die teils von den Beiträgen des Handels und teils von Spenden leben, geht es darum, dass die Arbeiter und Bauern beiderlei Geschlechts, meist in den sog. „Schwellenländern“, von ihrem Lohn in ökonomischer und sozialer Sicherheit leben können und nicht skrupellos ausgebeutet werden.

Was hat das alles mit dem Wein zu tun? In den weinbaubetreibenden, westlichen Industrieländern vermutlich eher wenig, aber in manchen der Schwellenländer sehr viel. Zu diesen Regionen gehören u. a. die sehr erfolgreichen Weinbaunationen Südafrika, Argentinien, Mexiko, Brasilien, Libanon und Indien – manche Ökonomen rechnen China auch dazu. Jeder Weinfreund weiß, dass sein Lieblingsgetränk schon längst zur Massenware geworden ist. Riesige europäische und amerikanische Getränkefirmen drücken die Weinpreise um die Konkurrenz beim Endprodukt im globalen Markt unterbieten zu können.

Eine Schlüsselrolle beim Wein spielen die Traubenpreise, die sich bekanntlich aus den Sachkosten, wie Dünger, Insektiziden und technischen Hilfsmitteln, und dem großen Brocken der Kosten für die Weinbergsarbeit durch den Menschen zusammensetzen. Es ist für den Endpreis des Weines unerheblich ob diese innerhalb des Weingutes oder durch Zukauf von Trauben entstehen. Der Traubenpreis ist eine Funktion in die, neben den tatsächlichen Arbeitskosten, auch der jeweilige regionale Marktpreis und die Ertragsmenge der Rebgärten, eingeht. Die letzten beiden Faktoren sind von der Kellerei wiederum kaum beeinflussbar, die Arbeitskosten dagegen schon. Diese sind durch die Anzahl der Arbeitsstunden und den Stundenlohn definiert. Da auch die Arbeitsstunden nicht wesentlich manipuliert werden können bleibt die Vergütung der Weinbergsarbeiter der einzige, wirklich flexible, große Kostenfaktor im Weinbau.

Manche Weine aus Südafrika, Chile, Argentinien und dem Libanon haben internationale Spitzenklasse erreicht und den Ruhm dieser Weinbauländer in der weltweiten Gemeinde der Weinliebhaber begründet. Folglich können sie durchaus hochpreisig angeboten werden. Wenn nun die Arbeitskosten gering sind steigt die Gewinnmarge der Unternehmen gewaltig. Dass diese Zusammenhänge tatsächlich von den global tätigen Getränkeriesen ausgenutzt werden, zeigt deren große Zahl in der Produktionsstatistik der Billiglohnländer Südafrikas und Lateinamerikas. Hier kommen die Fair Trade-Organisationen ins Spiel. Gerade die Kleinbauern in diesen Gegenden sind die Leidtragenden, denn wegen der niedrigen Preise und des immensen Verdrängungswettbewerbs haben sie meist nur sehr geringe Zukunftsperspektiven. Man kann in manchen Fällen tatsächlich das ungeliebte Wort der Ausbeutung zur Beschreibung der Zustände verwenden. Gerade den kleineren Winzern fehlen die Möglichkeiten gegen die internationale Konkurrenz anzutreten und so kommen sie entweder nicht in den Markt oder werden von dort wieder verdrängt. Der international orientierte Weinfreund hat das Nachsehen, denn die wirklichen Originale der vielen Terroirs fremder Länder kommen aus den genannten Gründen möglicherweise überhaupt nicht bis in den Verkauf. Aber es bewegt sich etwas: alleine die Kölner Fair Trade-Organisation „TransFair“ hat 65 Kellereien in den erwähnten Schwellenländern in ihr Förderprogramm aufgenommen und bietet sie über verschiedene Vertriebskanäle in Deutschland an. Wein ist eines der schönsten Luxuskonsumgüter und das grandiose Produkt kenntnisreicher Pflege der Natur sowie menschlicher Kunstfertigkeit. Alle, die es lieben müssten auch dafür sorgen, dass diejenigen, die am Herstellungsprozess beteiligt sind, davon gut leben können.

Diskussion geschlossen.