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Ein gastronomisches Highlight: “El Baret de Miquel Ruiz”

Erlebnisreiche Küche: “El Baret de Miquel Ruiz” in Denia (Costa Blanca)

Einst führte er, irgendwo an der Costa Blanca, ein Michelin-besterntes Restaurant, bis ihn der ganze Touristen-Rummel und Gastro-Snobismus abzustoßen begann und Miquel Ruiz nach persönlich attraktiven gastronomischen Alternativen Ausschau hielt. Eine kleine Bar in Denia sollte die Erfüllung seiner Vorstellungen bringen. Im Schatten der 800 Jahre alten Maurenburg und in unmittelbarer Nähe der Markthalle des Ortes liegt heute in der unscheinbaren Carrer Historiador Palau Nr. 1 „El Baret de Miquel Ruiz“. Das Wort “Baret” stellt, auf valenciano die Verkleinerungsform von “Bar” dar. Die Innendekoration erinnert an die Ästhetik der 70iger Jahre: bunt und etwas schrill. Platz findet man heutzutage nur, wenn man reserviert hat und das geht ausschließlich übers Internet und mit einer potentiellen Wartezeit von ca. drei Monaten. Aber es lohnt sich!

Das Service-Konzept ähnelt tatsächlich dem einer klassischen spanischen Bar. Man bestellt „raciones“ (Portionen), die man mit seinen Begleitern teilt. So kann jeder von allem kosten und je größer die Gruppe, desto vielfältiger das Essen. Die Bedienung ist außergewöhnlich freundlich und hilfsbereit beim Erklären der in valencianischer Sprache verfassten Speisekarte. Darauf findet man u. a. ein „Caramelo de hueva de atún con avellana caramelizada“, ein in buntes Papier verpacktes Bonbon aus Tunfischkaviar und karamellisierten Haselnüssen“ oder ein „Cous Cous de pulpo a nuestra manera“, Cous Cous mit Krake nach Art des Hauses. Daneben liest die Bedienung von einer handschriftlichen Liste die dem täglichen Angebot des Marktes entsprechenden Gerichte vor. Diese werden als Portionen serviert. Auf dem Zettel finden sich z.B. „Esponja Ceviche Erizos“ eine Art Schwamm aus rohen Seeigeln oder das „Tartar Gamba amb Fesols i Naps“ klein geschnittene Garnelen mit Bohnen und Steckrüben, oder den „Rabo Buey con Mole Cacao“ ein geschmorter Ochsenschwanz mit Schokoladensauce. Alles war von höchster Qualität, frisch und ungewöhnlich schmackhaft.

Die “raciones” im El Baret

Die Weinkarte ist übersichtlich aber mit viel Geschick und Sinn für Qualität ausgesucht. Ich bin der Empfehlung der Bedienung gefolgt und habe einen reinsortigen, trockenen Muskateller aus Valencia getrunken. Der Wein hiess „Soldadito Marinero 2016“ und stammte von Viveros Cambra aus Ontinyent (Valencia). Die feine Aromatik von Rosenblüten und Bergkräutern war betörend und passte hervorragend zu den ausgewählten, geschmacksintensiven Gerichten. Wieder eine Bestätigung für das große sensorische Potential der klassischen Aromasorten! Die Preise des Weins und der Speisen waren absolut angemessen, in einem anderen Ambiente hätte alles sicher dreimal so viel gekostet. Nach dem Besuch von „El Baret de Miquel Ruiz“ blieb eine tiefe Befriedigung über das Dargebotene und Genossene zurück.

So schön das gastronomische Erlebnis in Denia war, so abweisend war der Küstenstreifen mit dem wunderbaren Sandstrand: Eine Touristenfalle neben der anderen. Restaurants und Bars aller Provenienzen wechseln sich mit Spielhallen und Souvenirläden ab. Alles ungeplant und hässlich nebeneinander. Hier in dieser grotesken Kopie des “Ballermann” würde ich meine wertvollen Urlaubstage nur ungerne verbringen, gäbe es dort nicht “El Baret de Miquel Ruiz”!

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