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Die vielseitigen (Neben)Wirkungen des Kaffees

Leonardo da Vinci: Der truvianische Mensch

Leonardo da Vinci: Der truvianische Mensch

Unter den Durstlöschern der Deutschen nimmt der Kaffe eine Sonderstellung ein: er ist mit 73 Milliarden Tassen im Jahr das mit Abstand beliebteste Getränk (siehe auch : Was  die Deutschen trinken). Kaffee enthält, je nach Zubereitungsart und Sorte, unterschiedliche Mengen Koffein, eine anregende Substanz mit ausgeprägter pharmakologischer Wirkung. Kein Wunder also, dass sich Mediziner, Heilpraktiker und Gesundheitsapostel jeder Couleur mit den Wirkungen des Koffeins auf den menschlichen Körper auseinander gesetzt haben. Eine Tasse Kaffe enthält zwischen 60 und 150 mg Koffein, etwa die 10fache Menge wie koffeinhaltige Erfrischungsgetränke (Coca-Cola etc.). Nach allem was man heute über Koffein weiß ist das Risiko von Herz- oder Kreislauferkrankungen bei üblichem, moderaten Kaffeekonsum nicht erhöht. Ebenso wenig treten Diabetes oder Krebserkrankungen bei Kaffeetrinkern gehäuft auf.

Ein außerordentlich gefährlicher und u.U. ein folgenschwerer Irrtum ist der Glaube mit einem starken Kaffee könne man nach dem Genuss von einigen Gläsern Wein wieder nüchtern werden. Es kann vielleicht sein, dass man sich wegen der anregenden Koffeinwirkung subjektiv kurzfristig etwas frischer fühlt und sogar glaubt, man könne sich ans Steuer setzen, aber objektiv ist das völlig falsch! Kaffee hilft nicht den Alkohol abzubauen und daher bleibt der Blutalkoholspiegel mit oder ohne Kaffee absolut gleich.

„Kaffee geht auf den Magen“ hört man gelegentlich und daran scheint tatsächlich etwas zu sein. Das hat mit dem Koffein nichts zu tun sondern liegt ausschließlich an der Art und Weise der Röstung. Es sind die entstandenen Bitterstoffe, genau die, die den Espresso geschmacklich so attraktiv machen, die die Magenschleimhaut schädigen können. Ein Espresso, der übrigens nicht mehr Koffein als „normaler“ Kaffee enthält, nach einigen Gläsern eines Rieslings getrunken, kann für den Magen unangenehme Konsequenzen haben und Säurehemmer erforderlich machen! Durch entsprechend schonendere Röstverfahren kann man heute den Kaffee allerdings wesentlich bekömmlicher herstellen.

„Kaffee raubt mir den Schlaf“ ist eine Behauptung, die nicht unbedingt stimmen muss. Die durch Koffein verursachte Gefäßerweiterung, die Mediziner nennen es „Vasodilatation“, kann sogar kurzfristig zu einer Schläfrigkeit und einem Absinken des Blutdrucks führen. Ansonsten ist die anregende Wirkung deutlich abhängig von der Häufigkeit des Kaffeekonsums. Es scheint so etwas wie eine „Tolernzentwicklung“ zu geben, d.h. bei regelmäßigen Kaffeetrinken wird die aufputschende Wirkung deutlich weniger wahrgenommen. Andererseits können sporadische Kaffeegenießer durchaus an Schlafstörungen leiden, wenn der zeitliche Abstand von Kaffeezufuhr und Bett sehr kurz ist. Dabei sind die erheblichen individuellen Schwankungen in der Koffeinempfindlichkeit zu berücksichtigen.

Schließlich noch eine kurze Bemerkung zum vermeintlichen Suchtpotential des Kaffees. Fast jeder kennt jemanden, der schon einmal behauptet hat er käme morgens ohne eine Tasse Kaffe nicht in die Gänge, oder er brauche dringend einen Kaffee für die Verdauung. Medizinisch ist jedoch klar, dass Kaffee kein echtes Suchtpotential hat. Dennoch kann eine Kaffee-Abhängigkeit bestehen, die sogar eine Art Zwangsstörung werden und bei Konsumrestriktion zu leichten Entzugserscheinungen führen kann. Unerwartete Schützenhilfe bekamen die regelmäßigen Kaffeetrinker kürzlich von der klinischen Forschung: Kaffee-Patienten erlitten signifikant weniger Rückfälle nach operiertem Darmkrebs. Diese kleine Sensation, vielleicht mit weitreichenden Folgen, wurde von den Autoren dieser Studie ausschließlich dem Koffein zugeschrieben!

Guercio BJ, Sato K, Niedzwiecki D, et al. Coffee intake, recurrence, and mortality in stage III colon cancer: results from CALGB 89803 (Alliance) [published online ahead of print August 17, 2015]. J Clin Oncol. pii: JCO.2015.61.5062.

 

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