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Baskischer Nationalismus in der Flasche?

Ziemlich genau vor einem Jahr hat der Chef und Önologe von Artadi, Juan Carlos López de la Calle verlauten lassen, dass sich ddie Bodega aus dem Kontrollorgan der Herkunftsbezeichnung „D.O.Ca. Rioja“ zurückziehen werde. Ich hatte an dieser Stelle darüber berichtet (“Zerbricht die Einheit der D.O.Ca. Rioja?”). Vordergründig war der Streitpunkt die unzureichenden Möglichkeiten die Weine der Rioja nach Lagen zu charakterisieren. Artadi war bekanntlich Vorreiter der Einzellagen-Weine und Namen wie Valdeginés, La Poza de Ballesteros, El Carretil, Pagos Viejos, Grandes Añadas und Viña El Pisón haben sich tief im sensorischen Gedächtnis vieler Weinfreunde verankert. Schon bisher waren all diese Weine – auch über ihre teilweise sehr hohen Flaschenpreise – immer gut zu erkennen und kein Genießer hat sich meines Wissens je über mangelnde Kennzeichnung auf den Etiketten beklagt.

Vielleicht spielt ja der Narzissmus des Herrn Lopez de la Calle und seines Managements bei Artadi die Hauptrolle bei der endgültigen Entscheidung den Cosejo Regulador zu verlassen. Dass zwischenzeitlich sechzig weitere Bodegas der Rioja Alavesa (von insgesamt 150 Kellereien, die im Kellereiverband der Rioja Alavesa vereint sind) dem Schritt von Artadi gefolgt sind legt allerdings politische Hintergründe nahe. Große Einzellagen gibt es in der Rioja Alta auch, man denke z.B. an Calvario oder an die Finca Valpiedra aber die liegen eben nicht im Baskenland sondern im kastilischen Teil der Rioja. Wie Artadi offiziell mitteilte sollen alle Flaschen, die noch im Jahre 2015 abgefüllt wurden die alten Etiketten, einschließlich der Banderole des Kontrollrates, tragen. Alles was nach dem 1. Januar 2016 auf Flaschen gezogen wird soll nur noch die Marke des Weins, die Rebsortenzusammensetzung und den Jahrgang tragen. Wie die Lagen- und Qualitätsbezeichnung letztlich aussehen wird, wird vermutlich die Lokalregierung in Vitoria-Gasteiz in Zusammenarbeit mit der zentralen Regulierungsbehörde in Madrid entscheiden müssen.

Man kann den Streit um Bezeichnungen auf Weinetiketten als Eskapade egomaner Weinmacher betrachten, aber ich befürchte, dass da auch eine gehörige Portion des baskischen Nationalismus dahinter steckt. Dieser wurde ja bereits vom Gründer der Baskischen Nationalpartei, namens Sabino Arana Ende des 19. Jahrhunderts vorangetrieben.  Arana forderte im Baskenland eine Gesellschaft der „baskischen Rasse“, denn das Grundproblem seines Landes sei die Überfremdung durch die Industrialisierung, die immer mehr Arbeiter aus anderen Regionen Spaniens anzog. Daraus entwickelte sich der radikale Nationalismus für den letztlich auch die Terrororganisation der ETA mit ihrer antispanischen Weltsicht stand. Die Verantwortlichen von Artadi und anderen Kellereien in der Rioja Alavesa sollten wissen, dass Weinfreunde in aller Welt der Politisierung ihrer Sinnenfreude niemals zustimmen werden und deshalb sollten sie alles daran setzen einen derartigen Verdacht schon im Keim zu ersticken.

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