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„regular“ – ein merkwürdiges spanisches Wort

Spanisch ist eine außerordentlich ausdrucksstarke Sprache in der sich das Lebensgefühl einer ganzen Kultur in einem einzigen Begriff  widerspiegeln kann. Ich bin z. B. immer wieder fasziniert von dem Wort „regular“ („regularillo“ in der typisch andalusischen Verkleinerungsform), was bei wörtlicher Übersetzung eigentlich so viel wie „regelrecht“, „ordnungsgemäß“ oder „geordnet“ bedeutet, also eigentlich positive Eigenschaften beschreibt. In bestimmten Zusammenhängen kann es aber   „mäßig“, „nicht besonders“ oder „soso“ ausdrücken und nimmt dann eine eindeutig negative Bedeutung an. Wenn ich auf die Frage nach meinem Befinden mit „regular“ antworte ist klar, dass ich eigentlich meine, dass es mir schlecht bzw. deutlich besser gehen könnte. Wenn mir ein Wein „regular“ schmeckt sage ich, dass er im Grunde kaum genießbar ist. Was steckt hinter dieser Auffassung, dass etwas schlecht ist, was „nur regelrecht” ist? Das wirklich Gute hebt sich eben vom Durchschnitt deutlich ab und das sollte jedermann auch verlangen dürfen, alles andere wäre nur „regular“. Ein ordnungsgemäßer, sprich erwartbarer, Zustand bedarf keiner besonderen Erwähnung, ist also negativ zu bewerten. Ich glaube, dass sich hinter der Auslegung des besagten Begriffes eine relativ elitäre Weltauffassung verbirgt: „Das Beste ist gerade gut genug“ – alles andere ist nur der Regel entsprechend und deswegen nicht akzeptabel. Don Quijote ist vordergründig genau das Gegenteil: der Ritter der traurigen Gestalt, ist zu vermeintlich großen Taten fähig ist, die aber, bei Lichte betrachtet, „regelrechte“ Albernheiten sind. Auch das „Plus Ultra“. („immer weiter“, „darüber hinaus“) im spanischen Wappen seit Karl V, könnte nicht nur auf die geographische Ausdehnung Spaniens sondern auch auf den hohen Anspruch der Spanier an Qualität und Güte bezogen werden.

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