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Ersetzen Roboter in der Zukunft den Winzer?

Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) ist eine der größten wissenschaftlichen Gruppen in Deutschland. Sein Wort hat Gewicht und deshalb sei seine Definition eines Roboters an den Anfang dieses Beitrages gesetzt: „Industrieroboter sind universell einsetzbare Bewegungsautomaten mit mehreren Achsen, deren Bewegungen hinsichtlich Bewegungsfolge und Wegen bzw. Winkeln frei (d. h. ohne mechanischen bzw. menschlichen Eingriff) programmierbar und gegebenenfalls sensorgeführt sind. Sie sind mit Greifern, Werkzeugen oder anderen Fertigungsmitteln ausrüstbar und können Handhabungs- und/oder Fertigungsaufgaben ausführen.“ Das klingt zwar etwas sehr technisch, beschreibt aber die Funktion von Robotern ziemlich umfassend: Bewegungsautomaten, die menschliche Arbeiten ausführen können.

Schon vor einiger Zeit hat Mario Scheuermann in seinem Blog Drinktank vom 5.11.2012 über den Weinbergshelfer „Vigne Intelligence Naturelle“ des Franzosen Christophe Maillot  berichtet, der das Blattwerk von bis zu 600 Weinstöcken am Tag zurecht schneiden kann.  Aber auch andere Arbeiten wie das Jäten von Unkraut, die Verabreichung von Pflanzenschutzmitteln oder die Pflanzung neuer Rebstöcke könnte die Domäne von Robotern werden. Nicht zu verwechseln ist die Roboter-Technologie mit der bereits weltweit in großem Stil erfolgten Mechanisierung des Rebbaus, bei der es im Wesentlichen um eine Unterstützung und nicht um den Ersatz, der menschlichen Arbeitskraft geht. Hier sind vor allem die Vollernter sowohl für Steillagen als auch für flache Rebgärten sowie die Leseguttransporter, hier natürlich insbesondere in Steillagen, zu nennen.

In Zeiten der Kostenexplosion bzw. der ständig rückläufigen Verfügbarkeit menschlicher Arbeit ist es unumgänglich nach kalkulierbaren Alternativen Ausschau zu halten. Gerade aus den Blickwinkeln der Arbeitsplatzakzeptanz und –sicherheit sind diese Entwicklungen zu begrüßen. Auf der Strecke bleibt dabei aber mal wieder die Individualität. Die Qualität der Arbeit im Weinberg wurde vielfach von der Erfahrung des Winzers getragen und viele Weinfreunde sehen deshalb in ihm einen festen Bestandteil des „terroirs“ seiner Weine. Das soll ein Roboter auch hinbekommen? Da habe ich meine Zweifel!

Ich bin fest davon überzeugt, dass die teilweise sehr hohe Qualität von Weinen, die aus dem sog. „biologisch-dynamischen Weinbau“ stammen nicht auf der Richtigkeit der Theorien von Rudolf Steiner und der von ihm begründeten Anthroposophie beruht, sondern einzig und allein von dem intensiven Kontakt des Winzers mit seinen Reben herrührt. Die Wirkungen der Mondphasen und der Planetenkonstellationen auf das Rebwachstum entziehen sich, genau wie die kosmischen Kräfte eines mit Kiesel gefüllten Kuhhorns, jeder naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise, aber sie schärfen das Bewusstsein für das Leben und die Bedürfnisse der Pflanze und ihres Bodens – und genau das kann man schmecken!

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