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Der Wein im Paradies

Kaum ein Ort ist so oft mit dem Wein in Verbindung gebracht worden wie das Paradies. Weinläden, Bars, Kneipen, ja ganze Regionen tragen in ihrem Namen den Begriff „Weinparadies“. Keiner hat das Paradies so friedlich und anheimelnd dargestellt wie der anonyme oberrheinische Meister aus dem 15. Jahrhundert in seinem kleinen Bild „Das Paradiesgärtlein“ – zu besichtigen im Frankfurter Städel. „Paradiesgärten“ haben es mir ganz besonders angetan, denn ich bin hienieden auf der Erde ein großer Verehrer von Gärten. In ihnen spiegelt sich sowohl die Liebe des Menschen zur Natur als auch sein immer Ausdruck suchendes Bedürfnis diese mit ihren eigenen Mitteln zu gestalten. Gärten sind die schönste Huldigung des Menschen an die Natur.

Die Vorstellung eines Paradieses, eines Raumes in dem uns unendliches Glück und endloser Genuss beschieden sind, gibt es in sehr vielen Kulturen. Bei den Kelten gab es Avalon, die „Apfelinsel“, jenes Elysium, in das König Artus nach seiner Verwundung entrückt sein soll. Bei den Griechen war es auch der Apfel, die paradiesische Frucht: im Garten der Hesperiden, einem Nypmphengeschlecht, stand der Baum mit den goldenen Äpfeln und wurde von den Nymphen mit Hilfe des Drachen Ladon gehütet. Hesperia, wo der wunderbare Garten lag war nach Ansicht einiger Historiker Spanien („Hispania“). Auch das biblische Paradies steht ja bekanntlich mit einem Apfel im Zusammenhang und Archäologen behaupten sogar es habe tatsächlich geographisch existiert und liege, nach einer gravierenden Klimaveränderung untergegangen, heute irgendwo in der arabischen Wüste unter dem Sand vergraben. Der Paradiesgarten ist aber eine ursprünglich durch und durch orientalische Vorstellung, die sich wohl erst über das maurische Spanien nach Europa ausgebreitet hat.

Der Koran ist tatsächlich voll von Hinweisen über die Natur des Paradieses, das als Garten in Erscheinung tritt und das was den Menschen in diesem erwartet. Übrigens, lässt er uns auch wissen dass neben den Muslimen „niemand ins Paradies eingehen wird außer denen, die Juden oder Christen sind.” (Sure 2. 111), also die Völker der Schrift, wie sie auf spanischem Boden einst eng zusammengelebt haben. “Paradiesische Zustände” bedeuten, dass alles was der Mensch wirklich braucht dort im Überfluss verfügbar ist. Also gibt es selbstverständlich auch Wein, wie im Koran explizit verheißen wird: es fließen „Ströme von Wasser, Milch, Wein und Honig“ (Sure 47,15). Ich frage mich dabei natürlich wieso auf Erden verboten ist, was im Paradies offensichtlich erlaubt ist?

Islamische Korangelehrte haben darauf eine Antwort: der Wein im Paradies hat ganz andere Eigenschaften und muss daher von etwas anderer Natur als der Wein auf Erden sein. Auch er wird aus Trauben gekeltert, die von paradiesischen Rebstöcken stammen (Sure 16, 10 – 11). Er entspricht also im Geschmack und Geruch voll dem was der irdische Genießer kennt, hat aber keinen Alkohol und verändert damit auch nicht die Wahrnehmung des Weinfreundes. Dies wäre im Paradies ja auch gar nicht nötig, denn es ist ja sowieso alles um einen herum optimal für die eigenen Bedürfnisse gestaltet, bedarf also keines anderen Bewusstseins. Selbst bei reichlichem Genuss gibt es kein Kopfweh und keinen Kater! Im Paradies warten nicht nur Glück, Gärten und Weinstöcke sondern auch geistige Freuden auf den Gottesfürchtigen: er wird weder Geschwätz noch Lüge mehr hören (Sure 78, 31 – 35). Diese Vorstellung vom Paradies spricht für die Weisheit des Propheten!

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