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Weltweite und verwirrende Weinstatistik

Die OIV, die Internationale Organisation für Rebe und Wein, hat komplexe statistische Daten zum Wein veröffentlicht. Im Folgenden möchte ich versuchen einiges davon darzustellen und eigene Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Frankreich gilt, wie die Länder Italien und Spanien als die klassischen Weinländer in Europa. Erstaunlicherweise werden gerade dort die Weintrinker immer weniger. Nur noch 17 Prozent der Franzosen tranken 2010 regelmäßig Wein, fünf Jahre vorher waren es immerhin noch 21 Prozent. In Italien und Spanien verhält sich der rückläufige Weinkonsum tendenziell ganz ähnlich. Man kann in diesen Ländern beim Wein tatsächlich von einer Veränderung des Konsumverhaltens reden. Die Gründe dafür sind vermutlich vielschichtig. Ökonomische Krisen führen zum Bedürfnis billige Alternativen zu entdecken und man kann mit Recht fragen, ob die Zunahme des Bierkonsums in den Mittelmeerländern damit in Zusammenhang steht. Eine andere Komponente ist sicherlich die Gesundheitsdiskussion. Alkohol wird mehr und mehr, insbesondere von Gesundheitspolitikern, pauschal als potentielle Gefahr für Leib und Seele gesehen.Trotz allem, Unter den weltweiten Konsumenten steht Frankreich immer noch ganz vorne (30 Mio. hl), gefolgt von den USA (28,5 Mio. hl) und Italien (23,1 Mio. hl). Deutschland steht mit 20 Millionen Hektolitern an vierter Stelle der weltweit größten Weinkonsummärkte. Spanien rangiert mit 10 Mio. relativ weit hinten, davor stehen noch Großbritannien (13,2 Mio. hl) und China (15,8 Mio. hl). Eine weitgehend unerwartete Tatsache ist der hohe Weinkonsum in China und den USA. Die Erschließung dieser Länder für die Weintrinker in den letzten Jahrzehnten hat dazu geführt, dass die Gesamtproduktion weltweit weiterhin eine leichte Zunahme erfährt – und das obwohl die weltweite Rebfläche im vergangenen Jahr mit 7,585 Millionen Hektar den tiefsten Stand seit zehn Jahren erreicht hat, also rückläufig ist. 57 Prozent aller Rebstöcke stehen in Europa, 22 Prozent in Asien und 21 Prozent in der sog. „Neuen Welt“ . Die höchste Exportrate hat Italien (24,2 Mio. hl) gefolgt von Spanien (22,3 Mio. hl), Frankreich (14,1 Mio. hl) und Chile (6,6 Mio. hl).

Ich glaube, dass der Zuwachs in China vor allem soziologische Gründe hat. Erstmals entsteht in diesem Land ein echter Mittelstand, der sich an westliche Konsumkultur lehnt. Das kommt nicht nur deutschen Autoherstellern sondern auch den Winzern in aller Welt zugute. Wein wird zum Statussymbol, denn er symbolisiert Erfolg, Geschmack und Weltoffenheit, eben soziales Prestige. In den USA gibt es das auch, aber die Vereinigten Staaten sind seit dem 18. Jahrhundert ein Weinbauland mit Tradition. Hier wurde das „french paradox“ entdeckt und nach den Erfahrungen mit der Prohibition war man nur zu bereit den Wein „wiederzuentdecken“, zumal ihm ja gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt wurden. In diesem Fahrwasser schwammen auch die Weintrinker Großbritanniens und Deutschlands und sorgen noch heute für entsprechende Marktzuwächse.

Ein annähernd wirkliches Bild ob die Bewohner eines Landes Weintrinker sind, bekommt man beim Betrachten des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauchs. Da rangieren die bevölkerungsstarken Länder USA und China dann ganz unter ferner Liefen, während Frankreich (53,3 l), Portugal (46,9 l), Italien (46,9 l), die Schweiz (35,3 l) und Spanien (32,3 l) die Liste anführen. Das bevölkerungsreiche Deutschland steht auf Platz 12 mit 24,4 l. Diese Paar Zahlen zeigen deutlich, dass in vielen Märkten vielleicht noch Potenzial steckt. Aber Euphorie ist nicht angesagt! Vergessen wir nicht, dass Frankreich im Jahr 1965 einen Pro-Kopf-Verbrauch von 160 Litern hatte und heute nur noch ein Drittel davon! Das heisst: Weintrinker können auch wieder weniger werden, wenn es einen entsprechenden Anlass dafür gibt.

 

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