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Gentechnik im Weinberg

Schäden am Rebgut verhindern durch Gentechnik?

Schäden am Rebgut verhindern durch Gentechnik?

Im Weinbau hat die Gentechnik ein enormes Potential. Beispielsweise könnten gegen verschiedene Krankheiten resistent gemachte Reben die Anwendung von chemischen Mitteln wie Insektiziden und Fungiziden deutlich reduzieren oder gar eliminieren und damit einen signifikanten Beitrag zu besserer Traubenqualität und zu höherem Ertrag leisten sowie dazu die Belastung des Menschen mit Schadstoffen zu vermindern. Aber Gentechnik im Weinberg ist ein sehr kontrovers diskutiertes Thema. Die Gegner führen ins Feld, dass gentechnisch veränderte Trauben unvorhersehbare, weil noch völlig unbekannte, Auswirkungen auf das Ökosystem haben können. Unverträglichkeiten und Allergien könnten schließlich die Konsequenz sein.

Wie in vielen Bereichen des Lebens ist auch bei dieser Thematik eine Nutzen-/Risikoabwägung erforderlich. Im großen und Ganzen hat aber die Gentechnik ihre Feuerprobe schon längst bestanden, denn höchst spektakulär hat sie z.B. die Pharmazie verändert. Insulin, Erythropoietin, Blutgerinnungsfaktor VIII und Interferon werden heute, genau wie Impfstoffe, Enzyme und deren Inhibitoren gentechnisch in unbegrenzten Mengen hergestellt und haben die Behandlung sogar von Volkskrankheiten wie Diabetes revolutioniert. Ohne Gentechnik käme die moderne Medizin nicht mehr aus. Die Landwirtschaft steht am Beginn einer ähnlichen Entwicklung.

Die Entdeckung der sog. „ Restriktionsenzyme“ hat es möglich gemacht einzelne Gene aus ihrem Nukleinsäureverbund zu lösen um sie anschließend zu klonieren und mittels eines sog. Vektors in eine Empfängerzelle dauerhaft zu integrieren (dieses Verfahren wird unter dem Begriff der „Gentechnologie“ zusammengefasst). Damit kann Erbgut sehr zielgerichtet verändert werden. Die Manipulation des Erbgutes von Pflanzen (und Tieren) ist natürlich eine uralte Kenntnis des Menschen. Die „Kreuzung“ von Rebsorten durch Bestäubung und Befruchtung zweier unterschiedlicher Rebpflanzen zur Schaffung einer neuen Sorte ist eine bereits betagte, insbesondere in Deutschland gepflegte Wissenschaft. Ihr sind sehr viele Rebsorten geschuldet. Beispiele dafür sind der Kerner, die Huxel- und Scheurebe, der Bacchus, der Müller Thurgau, der Rieslaner u.v.a. Welche Bedeutung dabei wirtschaftliche Gesichtspunkte haben zeigt die gegenwärtige Diskussion über die sog. Piwi-Sorten (pilzwiderstandsfähige Sorten):  Seyval blanc, Solaris oder Cabernet Jura. Sie können nicht nur den Aufwand für Pflanzenschutz stark vermindern sondern auch die Ertragssicherheit erheblich verbessern.,

Auch in anderen Ländern wird mit Neuzüchtungen experimentiert, in Spanien allerdings liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Forschung zur klonalen Selektion von alten Rebsorten, die dann gesunde, weniger anfällige und leistungsstarke Reben mit den alten, gut bekannten Charakteristika hervorbringen sollen. Gelungene Beispiele für dieses Prinzip sind der Graciano und der Maturana. Im Gegensatz zur Gentechnologie, wo sehr präzise auch besondere Eigenschaften von artfremden Zellen übertragen werden können (z.B. die Produktion von menschlichem Insulin in einem Bakterium), sind die Ergebnisse von Kreuzungen kaum voraussehbar. Einen Riesling mit einem Sylvaner zu kreuzen kann einerseits die Aromatik und die Eigenschaften vom Müller-Thurgau andererseits auch die der Scheurebe hervorbringen.

 

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