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Die Feige und der Wein passen zu einander

Viel Schatten unter dem Feigenbaum
Viel Schatten unter dem Feigenbaum

In einer Feige konzentrieren sich die Süße und das Aroma des Sommers. Wie einzigartig ist doch die Feige! Sie bleibt nur am Baum über eine kurze Zeit geniessbar, es sei denn man trocknet sie an der Sonne. Aber was sind schon Trockenfrüchte gegen die saftigen Originale! Victor Hehn, ein sehr bekannter Kulturhistoriker und Goethebiograph, zitiert Hipponax von Ephesos, einen griechischen Satiriker des 6. Jahrhunderts v. Chr., der geschrieben haben soll „die Feige ist die Schwester des Weinstocks“.

Tatsächlich war im antiken Griechenland der Feigenbaum dem Dionysos geweiht. Die Bilder dieses Gottes wurden deshalb oft aus Feigenholz geschnitzt. Diese geistige Verwandschaft von Feige und Wein erklärt vielleicht auch warum der Feige aphrodisische Wirkungen zugeschrieben wurden. Auch die Römer haben ihr eine sexuelle Bedeutung gegeben. Ethymologen behaupten das lateinische Wort ficus für Feige leite sich von fecundus (= fruchtbar) ab. Von hier ist der Weg auch nicht mehr weit zum berühmten „Feigenblatt“. Nachdem Adam und Eva sich die verbotenen Früchte vom Baum der Erkenntnis geholt hatten, wurden sie sich ihrer Nackteit bewusst und versteckten ihre Scham hinter einem Feigenbatt. Die Kunstgeschichte hat uns unzählige Überlieferungen dieser Legende hinterlassen und im Koran ist die kurze 95. Sure der Feige gewidmet. Der Grund warum in andalusischen Weinbergen häufiger Feigenbäume gepflanzt sind ist, dass es darunter immer ein schattiges Plätzchen gibt unter dem die Arbeiter bei der Lese ihr Frühstück einnehmen können. Wein und Feigenbäume gehören auch aus ästhetischen und geschmacklichen Gründen zusammen! Ein süsser Pedro Ximenez mit einer reifen Feige ist eines jener Aromenwunder, die manch einer göttlich nennen würde.

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