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Der Chiringuito: ein Sommerparadies am Strand

Sardinen werden in einem chiringuito an der costa tropical (Granada) gegrillt

Sardinen werden in einem chiringuito an der costa tropical (Granada) gegrillt

Unter den vielen Besonderheiten spanischer Ess- und Trinkkultur ist der sommerliche „chigringuito” eine der schönsten. Um dieses Etablissement würdigen zu können muß man den spanischen Sommer emotional verstehen. Er ist nicht nur eine Anhäufung von Tagen mit schönem Wetter, sondern er ist ein geistiger und körperlicher Zustand. Sommer in Spanien ist ein enormes Körpergefühl. Die Wärme dringt durch die Poren nach innen, die Haut ist empfindlich für jede Berührung. Die Sonne und das kühle Wasser sind wie ein nicht enden wollendes, sinnliches Spiel. Der Genuß des Sommers, der keine Sättigung bringt, ist der perfekte Genuß, denn er wird nie langweilig weil er immer wieder neue Dimensionen offenbart. Sommer in Spanien sind auch jene Tage in denen ein heißer Südwind weht und der Himmel mit dunklen, rötlichen Wolken verhangen ist. Die Sonne scheint fahl durch sie hindurch, die Kontraste sind verschwunden, die Landschaft flimmert vor Hitze. Der Sand der Sahara hat Europas Süden erreicht. Sommer ist der Geschmack einer eisgekühlten Melone am Gaumen und Sommer ist schliesslich für jeden seine persönliche Verwirklichung in dieser Jahreszeit. Für viele Spanier gehört der „chiringuito” dazu.

Noch vor garnicht allzulanger Zeit war der „chiringuito” nichts anderes als ein grösseres Strandzelt, vielleicht mit ein paar Holzstützen und einem schattengebenden Vordach unter dem die Tische und Stühle standen. Im Herbst mußte alles wieder abgebaut werden, denn die Strände waren ja öffentliches Eigentum und niemand durfte sich da sesshaft machen. Auch mit der Europäischen Union gab es Zoff, denn ein „chiringuito” als gastronomischer Betrieb war in den Brüssler Statuten nicht vorgesehen. Kurze Zeit sah es so aus als würden die Eurokraten kurzerhand diese „improvisierten” Strandlokale per Dekret schliessen. Aber das liessen die Spanier nicht mit sich machen. Und so gibt es sie noch wie immer im Sommer und sie haben nichts von ihrer Attraktivität eingebüsst. Heute sind sie meist etwas aufgepeppt, natürliche oder Plastik-Palmen vermitteln Südseeatmosphäre und „Cuba libre” oder „Gin tonic” sind bevorzugte Aperitifs. Als tapas kann man mittlerweile sogar frische Meeresfrüchte haben und vielerorts gibt es gleich ein Restaurant dabei. Aber trotz aller Veränderungen geht man weiterhin in Badehosen und T-shirt in den chriniguito, Frauen wickeln sich elegant in ein großes Tuch, für das sie sogar einen eigenen Namen erfunden haben – der pareo – und schieben die Sonnenbrille über die Stirne ins Haar. Der Duft von Sonnenöl übertönt den Dunst der gebratenen Tintenfische und Krabben. Es gibt keinen Fleck auf der iberischen Halbinsel wo der Sommer so zelebriert wird wie im chirginguito. Mittlerweile kommen auch Weinfreunde dort auf ihre Kosten. Man hat gelernt, daß Spanien gute Weine zur Verfügung hat und so wächst das Angebot auch in den chiringuitos von Sommer zu Sommer.

 

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