Drucken Drucken Artikel weiterempfehlen Artikel weiterempfehlen

Spargelzeit ist Weißweinzeit

Spargelzeit ist Weißweinzeit, aber ich hasse das Wort „Spargelwein“, denn es lässt – analog zum Apfelwein – vermuten, dass der Wein aus Spargeln gemacht wird. Das ist natürlich Quatsch. Gemeint ist üblicherweise ein Wein, der geschmacklich zum Spargel passt. Aber gibt es denn einen „Spinatwein“ oder gar einen „Blumenkohlwein?“ Nein, genau so wenig wie es, streng genommen, einen „Spargelwein“ gibt. Es hängt davon ab, wie man den Spargel zubereitet und alles, was einem an Wein dazu schmeckt, ist richtig. Trotzdem gibt es ein paar kulinarische Regeln, die es lohnt zu beachten. Christina Fischer hat es in ihrem Buch „Wein & Speisen“ (Fackelträger Verlag 2009) zusammengefasst: „Man benötigt einen Wein, der neben zarter Frucht ausreichend Substanz und Schmelz besitzt, um sowohl mit den vegetativen Aromen als auch mit Fett und Stärke klar zu kommen.“ Leider ist ihre Schlussfolgerung daraus ungewöhnlich konventionell: der Sylvaner ist´s eben!

Spargel betört eigentlich durch sein feines, zartes Aroma. Welcher Wein dazu taugt, hängt sehr von der Zubereitungsart des Spargels ab. Wenn man die deftigen Varianten vorzieht, wo z.B. die Spargelstangen mit Käse überbacken werden oder ein Steak dazu serviert wird, kann man bedenkenlos einen duftigen Rosé dazu servieren, das gilt auch für den Klassiker Spargel mit rohem oder gekochten Schinken. Zu gedünstetem Spargel mit einer Sauce hollandaise oder zerlassener Butter kann man gut und gerne einen jungen Chardonnay reichen. Spargel mag nicht unbedingt viel Säure, aber blumige Aromen (wie die des Sauvignon blanc oder Verdejo) sind häufig attraktive Spargelbegleiter, denn gerade der zarte Geschmack des Spargels weckt Assoziationen mit dem floralen und grasigen Duft dieser jungen Weißen. Mutige und experimentierfreudige Spargelgeniesser wagen sich sogar an barrique-ausgebaute Weine als Begleiter ihrer Lieblinge.

Diskussion geschlossen.