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Bodega Los Barrancos: der Alkoholgehalt als Ausdruck des Terroirs

Weinfreunde stellen gelegentlich die Frage warum die Weine von „Los Barrancos” so alkoholreich sind. Dies sei schliesslich völlig gegen den Zeitgeist und schrecke viele potentielle Interessenten an den Weinen ab. Zugegeben, ein Wein dessen Alkoholgehalt unter 14,5 Vol. % liegt hat bisher nur einmal unsere Kellerei verlassen. Wie kommt es zu den hohen Alkoholwerten im Wein? Sie hängen natürlich vom hohen Zuckergehalt der Trauben ab, und dieser ist wiederum Ausdruck des ganz spezifischen „terroirs” der Sierra de la Contraviesa, der Region in der die Reben wachsen.

In den meisten Weinbaugebieten Europas kann man innerhalb von bestimmten Grenzen den endgültigen Zuckergehalt der Trauben durch den Zeitpunkt der Lese einigermaßen bestimmen. Frühere Lese bedeutet fast immer deutlich weniger Zucker, dafür etwas mehr Säure, spätere Lese bewirkt im Prinzip das Gegenteil. Auf einer Höhe von 1300 Metern ü.M. und einer südlichen Lage von 36 Breitengraden, wo sich die Rebgärten von „Los Barrancos” befinden, ist die Sonneneinstrahlung, insbesondere in den Monaten Juli, August und September sehr intensiv, d.h. die übermässig hohe Ultraviolett-Strahlungsintensität regt die Zuckersynthese (Photosynthese) an, bei gleichzeitigem Abbau vorwiegend der Apfelsäure, der noch begünstigt wird durch die hohen Aussentemperaturen in der letzten Phase der Traubenreifung.

Das „Problem” stellt aber die s.g. phenolische bzw. die Aromenreife der Trauben dar, denn sie verläuft nicht paralell zur Zuckerreife sondern auf der Zeitachse um ein bis zwei Wochen nach hinten verschoben. Dies bedeutet, daß der Höhepunkt der vollen Aromatik in den Trauben entsprechend später erreicht wird, wenn nämlich der Zuckergehalt bereits maximal entwickelt ist. Wir haben kleine, repräsentative Mengen an Trauben deutlich früher als Anfang Oktober, dem üblichen Lesebeginn, gelesen und vinifiziert. Diese Weine hatten allesamt grüne, unreife Geschmacksnoten und waren, obwohl deutlich weniger alkohollastig, recht unattraktiv, was man übrigens beim Verkosten der Trauben am Rebstock bereits deutlich gespürt hatte. Dieses Verhalten war völlig unabhängig von der Rebsorte und konnte beim Merlot genau wie beim Tempranillo und beim Cabernet Sauvignon in gleicher Intensität beobachtet werden, ja beim Cabernet war es sogar noch ausgeprägter. Die Schlussfolgerung daraus ist, daß tatsächlich erst am Höhepunkt der phenolischen und aromatischen Reife gelesen werden sollte, wenn man die kompletten Duft- und Geschmacksnoten der Trauben einfangen will. Daraus ergibt sich dann zwangsläufig der hohe Zuckergehalt des Mostes, bzw. als Folge, der hohe Alkoholgehalt der Weine. Nach unserer Auffassung ist dies ein akzeptabler Preis für die besondere Persönlichkeit, die diese Weine zeigen. Natürlich insbesondere dann, wenn es uns gelingt ein ausgewogenes Verhältnis von Alkohol zu Extrakt zu erreichen, so daß der Wein am Gaumen nicht alkoholisch wirkt.

Auch die s.g. „globale Erwärmung” macht vor Andalusien nicht halt. Im Sommer 2006 lagen die Temperaturen in den Monaten Juli, August und September durchschnittlich 1,6° C höher als in den vorangegangenen Jahren. Dazu kommt der notorische Wassermangel, der ebenfalls zur Zuckerkonzentration in den Trauben beiträgt. Möglichkeiten zur Reduzierung des Alkoholgehaltes, gibt es zwar einige, die aber sämtlich der Philosopie der Bodega Los Barrancos widersprechen und auch in EG-Ländern nicht gesetzeskomform sind. Das Verdünnen des Weins mit Wasser auf eine geringere Alkoholstärke ist ebenso indiskutabel wie der Abbruch der Gärung bei geringerem Alkoholgehalt unter Belassung einer, dann nicht unerheblichen, Süßreserve. Die Reduzierung des Alkoholgehaltes durch physiko-chemische Maßnahmen wäre ebenfalls ein erheblicher Eingriff in die Natur des Weines, den wir auf keinen Fall wollen. Wenn man versteht, daß der Alkohol im Wein, der ja schliesslich auch ein wichtiger Geschmacksträger ist und hauptsächlich den „Körper” des Weins darstellt, Teil der spezifischen Eigenschaften der Landschaft der Rebgärten und ihres Klimas ist, ist man vielleicht eher bereit ihn als „terroir-bedingt” zu akzeptieren, wie es ja bei vielen Übersee-Weinen und einigen anderen europäischen Spezialitäten selbstverständlich ist.

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