Drucken Drucken Artikel weiterempfehlen Artikel weiterempfehlen

Cabernet Sauvignon – auch eine spanische Rebsorte?

Für manchen Freund spanischer Weinkultur stellt der Begriff “Cabernet Sauvignon” etwas negatives dar, denn diese „ausländische” Rebsorte ist für sie gleichbedeutend mit internationaler Geschmacksnivellierung und Verlust nationalen Charakters beim Weingenuss. Ich bin mir nicht sicher, ob dies eine tatsächlich begründete Sorge um die Identität spanischer Weine ist oder nur ein sentimentales Festhalten an vermeintlichen Traditionen. Wer würde wohl ernsthaft bezweifeln, daß “Vega Sicilia”, nunmehr seit 1864 einer der gesuchtesten Weine der Welt, ein typischer Vertreter Spaniens ist? Oder kann man sich einen charaktervolleren Vertreter der Rioja Alavesa vorstellen als die alten und uralten Jahrgänge eines “Marques de Riscal”? Die Kreszenzen dieser beiden Kellereien werden immer wieder als Beispiele für Qualität, Haltbarkeit und Potential spanischer Weine angeführt. Beide Weine enthielten von Anbeginn unterschiedliche Mengen Cabernet Sauvignon. Im aragonesischen Somontano gibt es den Cabernet Sauvignon ebenfalls schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Rebsorte hatte in Spanien längst vor allen Modetrends eine Heimat.

Eine neue Ära des Cabernet Sauvignon begann mit dem Wirken der beiden Pioniere Miguel Torres und Jean León aus dem Penedès am Beginn der 60iger Jahre. Die Stunde des wiederentdeckten spanischen Cabernbet Sauvignon kam schliesslich 1979, als auf der Gault-Millau “Weinolympiade” der “Black Label” vor einige der Hochgewächse aus dem Medoc wie Chateau Latour und Chateau La Mission Haut-Brion plaziert wurde. Der mittlerweile legendäre Wein bestand zu 70 % aus Cabernet Sauvignon und zu 30 % aus den spanischen Sorten Tempranillo und Monastrell. Damit war erneut der Beweis erbracht, daß der Cabernet Sauvignon auch in Spanien mithelfen konnte Großartiges zu vollbringen.

Die sehr ausgeprägte Persönlichkeit des Cabernet Sauvignon macht seine weltweite Beliebtheit aus. Für viele Winzer und Weingeniesser ist er für Rotwein das, was für die Musik eine Geige von Stradivari ist: das große klassische Instrument dem der Künstler die wundervollsten Töne entlocken kann. Gut gemachte Cabernet-Weine sind ausgeglichen und sprechen den Intellekt an. Ihnen fehlen die lieblichen Rundungen und die verschwenderische Sinnlichkeit des Tempranillo, sie sind eher kantig, spröde und auf eine wilde Art draufgängerisch; etwas für Fortgeschrittene. Der Cabernet Sauvignon hat eine ungewöhnliche Anpassungsfähigkeit an seine Umgebung. Er amplifiziert gleichsam das Mikrokilma und den Boden des Rebgartens und konzentriert die geologische und klimatische Individualität seines Standortes in Schale und Fruchtfleisch. Das Können der großen Winzer holt all dies wieder zurück in den Wein. Die typischen Duftnoten des Cabernet Sauvignon sind schwarze Johannisbeere, Tabaktöne und Zedernholz. Im Geschmack reicht die Skala vom grünem Pfeffer über Eukalyptus, Minze, Nelken zu Brombeere und Pflaume. Die Weine sind meist recht gerbstoffhaltig und entsprechend langlebig.

Es besteht kein Zweifel, der Cabernet Sauvignon ist mittlerweile in Spanien so heimisch geworden wie in vielen andern Qualitätsweinbaugebieten dieser Welt. Er ist nicht mehr aus der Weinkultur dieses Landes wegzudenken und allen Unkenrufen zum Trotz haben Spaniens Winzer Charakter gezeigt: Ihnen liegt nicht daran kalifornische, australische oder französische Plagiate zu machen sondern sie versuchen auch mit dem Cabernet Sauvignon ihrer Identität treu zu bleiben. Die Verbindung mit einheimischen Rebsorten wie Tempranillo, Garnacha oder Monastrell bringt völlig neue und gelegentlich unerwartet feine Weine hervor, die ihre spanische Herkunft auch am Gaumen nicht leugnen.

Diskussion geschlossen.